International Standard Classification of Education (ISCED-2011)

Herkunft/Urheber: UNESCO

Beschreibung: Die International Standard Classification of Education (ISCED-2011) ist eine international anerkannte Klassifikation der UNESCO (OECD 2015: 3), die als Gerüst zur Einordnung von Bildungsprogrammen und -abschlüssen in Kategorien dient (UNESCO 2012: 6). Sie ermöglicht einen länderübergreifenden Vergleich bildungsbezogener Informationen aus sich in Struktur und Inhalt unterscheidenden nationalen Bildungssystemen (UNESCO 2012: iii).

Methode/Struktur: Die ISCED-2011 bietet zwei dreistellige Codepläne: Einen für Bildungsabschlüsse (ISCED-A) und einen für Bildungsprogramme (ISCED-P). Im Folgenden wird in erster Linie die Klassifikation von Bildungsabschlüssen (ISCED-A) vorgestellt. Ein Bildungsabschluss bezeichnet die offizielle Bestätigung des erfolgreichen Abschlusses eines Bildungsprogramms oder eines Abschnitts (UNESCO 2012: 82).

Die erste Stelle des Codes verweist auf die Stufe eines Bildungsabschlusses. Die Stufen geben den Grad der inhaltlichen Komplexität und Spezialisierung wieder (UNESCO 2012: 13).

Es werden die folgenden Stufen unterschieden:
0 – Less than primary education
1 – Primary education
2 – Lower secondary Education
3 – Upper secondary education
4 – Post-secondary non tertiary education
5 – Short-cycle tertiary education
6 – Bachelor’s or equivalent
7 – Master’s or equivalent level
8 – Doctoral or equivalent level
(UNESCO 2012: 21f)

Die zweite Stelle verweist auf die Ausrichtung eines Abschlusses. Die Ausrichtung bezieht sich auf die Tätigkeit, auf die ein Bildungsgang vorbereitet.

Die Ziffern 1-3 haben die folgenden Bedeutungen: „Never attended an education programme“ (1), „some early childhood education“ (2), ”some primary education (without completation of ISCED level 1“ (3). Diese Unterscheidung ist nur für die ISCED Stufe 0 relevant.

Die wichtigste Unterscheidung besteht zwischen allgemeinbildenden/akademischen Abschlüssen (4) und berufsbildenden/berufsorientierten Abschlüssen (5). Allgemeinbildende/akademische Bildungsgänge (general/academic) verbessern das Allgemeinwissen oder vermitteln Kenntnisse und Fähigkeiten, die auf Bildungsgänge höherer ISCED-Stufen vorbereiten (Schneider 2013: 370; UNESCO 2012: 80ff). Berufsbildende/berufsorientierte Bildungsgänge (vocational/professional) bereiten auf spezifische Berufe und Berufsgruppen vor und führen zu arbeitsmarktrelevanten Abschlüssen. Für Abschlüsse der ISCED-Stufen 2-5 muss diese Unterscheidung vorgenommen werden (UNESCO 2012: 21), für Abschlüsse höherer Stufen kann sie vorgenommen werden (UNESCO 2012: 14). Für Abschlüsse der ISCED-Stufen 5-8 kann zudem “orientation unspecified” (6) angegeben werden (UNESCO 2012: 21; Schneider 2013: 372). Die Ziffer (9) steht für „not elsewhere classified“.

Die dritte Stelle des Codes bezieht sich darauf, ob eine Stufe abgeschlossen wird und ob Zugang zu einer höheren ISCED-Stufe erlangt wird. Der unvollständige Abschluss einer ISCED-Stufe ohne Zugang zu höherer ISCED Stufen wird durch die Ziffer 2 gekennzeichnet. Wird eine Stufe abgeschlossen kommen die Ziffern 3 (ohne Zugang zu höherer ISCED Stufen) und 4 (mit Zugang) zur Anwendung. Für die ISCED Stufe 3 bezieht sich „höhere Stufe“ auf Bildungsgänge der Stufen 5-7 (UNESCO 2012: 22). Diese Unterscheidung ist in erster Linie für die ISCED-Stufen 2-4 relevant. Abschlüsse anderer Stufen werden als „not further defined“ (0) codiert.

Beispielsweise verbirgt sich hinter dem ISCED-A Code 244 ein Abschluss im Bereich der Stufe „lower secondary education“ (2), mit allgemeinbildender Ausrichtung (4), der die Stufe abschließt und Zugang zu Bildungsgängen höherer Stufen ermöglicht (4).

Entwicklung/Umsetzung für Deutschland: Die ISCED-2011 folgt auf die vorangegangenen Fassungen von 1976 und 1997. Mit dieser Fassung setzt sich der Trend zur Ausdifferenzierung in der Darstellung des tertiären Bildungsbereichs fort, welcher statt wie bisher in zwei, nun in vier Stufen (5-8) dargestellt wird (UNESCO 2012: 63). Veränderte Anforderungen an die ISCED führten zur Unterscheidung von ISCED-Stufen für Programme und Abschlüsse (Schneider 2013: 367). Die Neuerung ermöglicht die Einordnung von Bildungsgängen in eine Stufe, auch wenn sie diese nur teilweise abschließen, d.h. wenn deren erfolgreiche Absolvierung nicht automatisch einen Abschluss auf der entsprechenden ISCED-Stufe mit sich bringt (Schneider 2013: 371). Einen Unterschied zur Version von 1997 stellt die verbesserte Standardisierung durch das dreistellige Codeschema dar (Schneider 2012: 373).

Deutsche Abschlüsse können wie folgt codiert werden:
100 – kein beruflicher Abschluss
244 – Haupt- oder Realschulabschluss
253 – Berufliches Praktikum/Berufsvorbereitungsjahr | ohne Hauptschulabschluss
344 – Fachhochschulreife (FHR)/Hochschulreife | ohne beruflichen Abschluss
353 – Schule des Gesundheitswesens (kurzer Bildungsgang)/mittlerer Dienst (ö. V.)
354 – Lehrausbildung/Berufsfachschulabschluss | ohne FHR/Hochschulreife
453 – Schule für Gesundheits- und Sozialberufe (2-3 Jahre) | ohne FHR/Hochschulreife
454 – Fachhochschulreife FHR/Hochschulreife | mit beruflichem Abschluss
550 – Meisterausbildung (Vorbereitungskurse unter 880 Stunden)
640 – Bachelorabschluss/Fachhochschulabschluss/Berufsakademie
650 – Technikerausbildung/Meisterausbildung (Vorbereitungskurse über 880 Stunden)
740 – Masterabschluss/Hochschulabschluss
840 – Promotion
(vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2015: 74).

Schlagworte:
Bildungsabschlüsse, Bildungsprogramme, Bildungsskala, Primärbereich, Sekundarbereich, Tertiärbereich

International Standard Classification of Education (ISCED-2011)

  • Grundlagenliteratur

    Bohlinger, Sandra (2012): Internationale Standardklassifikationen im Bildungswesen. In: BWP, 4 (2012).

    OECD (2015): ISCED 2011 Operational Manual: Guidelines for classifying national education programmes and related qualifications. Organisation for Economic Co-operation and Development.

    Schneider, Silke L. (2013): The International Standard Classification of Education 2011. Comparative Social Research, 30, 365-379.

    Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2015): Internationale Bildungsindikatoren im Ländervergleich. Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Wiesbaden.

    UNESCO (2012): International Standard Classification of Education: ISCED 2011. United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization.

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